Goldsteig 166 km Sept. 2018

Für diese Saison fehlte mir noch ein Ultra-Highlight mit Finish. Kerstin Wurst schlug den Goldsteig Ultrarace vor.

Der Lauf ist mit 166 km, 488 km und 661 km ausgeschrieben. Respekt vor allen Läufern, die sich auf die 488 km- und 661 km- Distanz wagen. Wäre ich 20 Jahre jünger…..Vergangenheitsmusik.

Aber auch der „Bambini“-Lauf hat‘s in sich. 48 Stunden Zeit  für 166 km = 100 Meilen durch den Oberpfälzer Wald von Marktredwitz nach Gütenland. Das Ganze mit integriertem Abenteuerfaktor: Laufen mit GPS nonstop auf den trails des Goldsteig-Wanderweges über steinige Höhen und durch wurzelige Täler bei Tag und bei Nacht mit nur 1 offiziellem VP.

19 „Bambinis“ starten mit den 40 Läufern der 661 km-Runde.  Wie und warum können Interessierte im Internet nachlesen.

 

Anreise mit dem Zug. Wir treffen Bernadette Obermaier in Marktredwitz beim Briefing. Wir Drei übernachten in Wunsiedel bei meiner Schwester.

Freitag, 12 Uhr mittags, Spannung am Start, der Goldsteig liegt vor uns. International geht’s zu, aber auch bekannte Gesichter sind dabei, wie Wolfgang Gunsenheimer.

Los geht’s. Zuerst auf den Weißenstein, dann über Fischweiher nach Falkenstein. und durchs Waldnaabtal. Das Wetter ist perfekt, bleibt auch den Lauf über regenfrei mit sonnigen Phasen. Beste Laufstimmung. Ein Waldgasthof lädt zu einem Cola ein, Genau 18 Uhr.  Es wird Abend, es wird dunkel. Bis dahin sind Kerstin und ich zusammen gelaufen. Aber Kerstin ist heute eindeutig schneller. Sie läuft mir davon, eine richtige Entscheidung. Naja, sie hätte auch was ankündigen können.

Nun laufe ich allein des Nachts durch Wald und Flur, schade, dass der Lichtkegel nur sehr wenig  von dieser schönen Landschaft erfassen kann.  Das GPS ist die einzige Verbindung zum trail. Nein. Die Markierung des Wanderweges ist fast perfekt. Fast, denn entlang am Waldnaabufer übersehe ich den Abzweig. Es wird eng, der Pfadausläufer endet am Wasser. Da sitzt ein Hund, nein, das glitscht ins Wasser, das ist ein Fischotter, Toll. Aber hier geht’s echt nicht weiter. Beim Umdrehen verliere ich die Ballance und kippe nach hinten Richtung Wasser. Ich darf da nicht reinfallen!  Keine Zeit für Gedanken, nur Reflex. Ich lande mit dem Bauch auf dem Ufer, die Beine im Wasser. Am Gras ziehe ich mich hoch, nix passiert, ich finde dann auch gleich den Abzweig und laufe ohne weitere besondere Vorkommnisse weiter bis Leuchtendorf. Halt, da waren noch einige private VPs auf dem Weg. Vielen Dank, euch Helfern.

In Leuchtendorf , einem kleinen Ort, treffe ich am VP Kerstin, die gerade wieder startet. Ich pausiere 1 Stunde, ziehe mich um und esse einen Riegel. Ich habe jetzt auch wieder trockene Schuhe. Nein nicht ganz. Muss leider mit den nassen Einlagen laufen.

Im Dunkeln geht es weiter, in den Morgen, in den Tag hinein. Das

Pfreimtal ist ein weiteres

Highlight, aber nur mit Zeitverlust zu laufen, will ich nicht stürzen. Gott sei Dank ist der Untergrund durchgängig trocken.

Ach wie Recht hat Kerstin. Ich habe mir leider die Strecke vorher nur unzureichend angesehen.  Welche Ortschaften wann kommen und wie weit ich bin, kann ich aber an Markierungstafeln zum Goldsteig überblicken. Inzwischen bin ich etwa drei Marathons gelaufen, der vierte steht noch aus. Wunderschöne Ausblicke über Felder und Wiesen, manchmal ein Bauer auf dem Feld. Einer  fragt: Macht ihr einen Wandertag? Eine kleine Unterhaltung tut gut. Willst du einen Apfel? Auch der tut gut.

 

Nächste Etappenziel: Thanstein.

Das ziiiieeehhhttt sich, ….12,8 km…..8,4 km…6,6 km….2,5 km. Die 2,5 km sind die Längsten. Es ist wieder dunkel. Ich treffe Ferenc, einen Ungarn, auch ein Oldtimer, Leider ist jede Konversation mangels Sprachkenntnissen unmöglich. So läuft doch jeder für sich alleine. Und doch, ein Blick, ein Nicken genügt.

Von Thanstein ist das Ziel, Gütenland noch 20 km entfernt, oder 25 km?

Irgendwann geht’s wieder hoch, Wald, Felsen, Seile. Das muss die steinerne Wand sein. Immer schön auf dem Trail bleiben. Es geht auf einem Grat mit Seilgeländer entlang. Hier soll es 20 m runtergehen. Gut, dass ich das nicht weiß und nicht sehe. Dann ein Bauzaun. Weg wegen Gefahr gesperrt. Geht nicht, ich muss auf dem Track bleiben. Also den Bauzaum beiseite geräumt, umkehren kann ich immer noch. Dann habe ich das gesperrte Gelände hinter mir und komme wieder vom Berg runter. Ich werde das Gefühl nicht los, den Berg auf der falschen Seite runterzulaufen, aber dann kommt Bauhof, war also richtig. Nun ging es lange über einen Auf- und Ab-trail am Wasser lang. Seltsam, ich habe immer das Gefühl, nicht alleine zu laufen. Aber niemand ist da, mein Kopf spielt mir Streiche. Wer weiß, was das Gehirn alles ausschüttet. Ich verliere an Schwung.

Sollte das schon der See sein, an dem Gütenland liegt? Tatsächlich. In der Morgendämmerung erreiche ich das westliche Seeende, finde aber nicht den Rückweg am See entlang auf der andern Uferseite. Ich rufe Kerstin an und finde dann den richtigen Waldweg. Kerstin hatte einen perfekten Lauf und war schon nach sensationellen 31,5 Stunden im Ziel. Zwischendurch war sie auf Bernadette aufgelaufen und beide finishten gemeinsam. Gratuliere zum gemeinsamen 1. Platz der Frauenwertung.

Ich rufe Kerstin noch mal an als Brücken und Straßen auftauchen, aber keine Häuser, Kein Hotel, kein Ziel. Ich laufe auf dem track, mal links, mal rechts der Leitplanke, Sollte ich nicht mehr auf dem track laufen? Aber ja doch. Jeden Moment erwarte ich das Ziel, aber ich muss noch etwa 5 km laufen. Gefühlt nicht alleine, drehe ich den Kopf, ist keiner da. Dann sehe ich Kerstins Stirnlampe. Das Ziel!

Erst mal mit Sekt anstoßen, duschen…..mein Rücken schmerzt etwas. Eine Massage soll helfen. Unglaubliche Schmerzen in der Rückenmuskulatur ziehen auf. Ursache? Wahrscheinlich meine Trinkblase, die recht frühauslief und mich mit einen nassen Rücken laufen ließ. Ich kann nicht gehen, stehen, nur stöhnen. Während zwei Tabletten Ibuprofen ihre Arbeit aufnehmen, packt Kerstin, denn wir müssen ja heute noch nach Hause.

Wir verabschieden die Läufer auf die 488 km-Strecke. Optimistisch ziehen sie los, meine Gefühle beim Zusehen`Ambivalent, Mir fällt ein, dass junge Männer vor 100 Jahren ähnlich losgezogen sind, aber nicht mit Trailstöcken sondern mit Bajonetten im Gepäck. Welcher Fortschritt.

Wann war nun eigentlich der Lauf zu Ende? Für mich war der Übergang fließend und das Abenteuer erst zu Ende, als ich wieder zuhause ankam.

Ach ja. Meine Laufzeit: 41,5 Stunden.