Zugspitz Ultratrail 2017

Zugspitz Ultratrail 17

Kerstin hat bereits einen Bericht geschrieben. Was soll ich denn nun Neues schreiben? Ich hatte dann eine Idee.

Da wir ja zusammen laufen wollten, letztendlich aber nicht sind, gibt’s nun wenigstens einen gemeinsamen Bericht (eine neue literarische Gattung, ha ha)

Ich: rote Schrift

Kerstin: grüne Schrift

Beide: schwarze Schrift

 

2012 bin ich zum ersten Mal den Zugspitz Ultratrail gelaufen. Seitdem 4 x den 100er und 1 x den Supertrail. Alleine hätte ich das Event nicht angepackt, aber Kerstin hat so eine charmante Art, zu überzeugen (Wir brauchen den Lauf als Vorbereitung für die Rütli Challenge. Also. OK?)

2016 bin ich an der Zugspitze den Supertrail mit 63 km und 3000 HM gelaufen. Damals habe ich gesagt niemals laufe ich über 100 km um die Zugspitze. Aber wie das bei uns Läufern so ist, diese Vorsätze sind ganz schnell wieder vergessen.

Und so stand ich heute vor einer Woche um 07:15 in Grainau zusammen mit Kerstin Wurst am Start des Zugspitzultratrail.

Sie wollte mich auf den 102 km und 5450 Hm rund um das Wettersteinmassiv begleiten.

Und so stand ich heute vor einer Woche um 07:15 in Grainau zusammen mit Helmut Sirtl am Start des Zugspitzultratrail.

Er wollte mich auf den 102 km und 5450 Hm rund um das Wettersteinmassiv begleiten.

Der Wettergott vesprach gutes Wetter.

Schon bald merkte ich, dass bei Kerstin dieses Mal überhaupt nichts ging. Sie hatte schon bald Atemprobleme und konnte meinem Tempo nicht mehr folgen.

Schon bald merkte ich, dass dieses Mal überhaupt nichts ging. Hinzu kamen schon bald Atemprobleme und ich konnte Helmuts Tempo nicht mehr folgen.

Kurz vor dem 2. VP haben wir beschlossen uns zu trennen.

Ich dachte echt, dass sie abbrechen muss. Aber bei diesem Lauf muss man von Anfang an rennen, sonst kann es trotz Puffer am Ende eng werden. Alleine lief es sich nun unbeschwerter und gleichmäßiger und ich kam gut vorwärts. Ich kannte ja die Strecke, so fügte ich mich leicht ins Schicksal: rennen, rennen, rennen. Belastend war nur der Gedanke an Kerstin.

Ich wollte Helmuts 5. Finish beim ZUT nicht auf’s Spiel setzen. Für mich war zu diesem Zeitpunkt klar am VP3 an der Pestkapelle ist Schluss. Mit Atemproblemen war es mir zu riskant bis auf 2200 m aufs Feldernjöchel hoch zu laufen. Irgendwann lief es dann etwas besser und am VP3 hatte ich noch 70 min Vorsprung auf das Cutoff. Das erste mal kamen mir Zweifel über den geplanten Ausstieg. Bald wurde mir auch klar das die Atemprobleme psyschisch bedingt waren, ausgelöst durch den Druck unbedingt finishen zu wollen. Also weiter.

An der Hämmermoosalm VP4 erfuhr ich dann von Marcus Römer: Kerstin rennt. Das freute mich so, dass ich recht unbeschwert über das Scharnitzjoch kam, den VP5 lief ich ganz einfach durch. Auch die flache Strecke bis Mittenwald lief ich (fast) durch. Die letzten Male musste ich hier mehr gehen, das lag aber wohl daran, dass ich bei 3 Läufen vorher in Biel den 100er gelaufen war. 2 x Abstand 2  Wochen, 1 x Abstand 1 Woche.

Ich kam recht gut über das Feldernjöchel und das Scharnitzjoch hatte aber am VP 5 nur noch 35 min. auf das Cutoff. Auf dem folgenden flacheren Stück konnte ich wieder Zeit rauslaufen. Bis zum VP 8 nach 82 km immerhin wieder 90 min. Nun folgte der harte Aufstieg zum Osterfelder Kopf.

Übel war die Stecke vom Forchensee bis zum VP7 nachts um 3 Uhr herum. Kein Licht vor mir, kein Licht hinter mir. Helmut alleine im Wald. Und immerzu alpin den Berg hoch. Besser gings mir, als ich mal stehenblieb und laut schrie: „Verdammte Sch….!!!“. So langsam dachte ich auch, dass es echt klasse ist, dass Kerstin wieder dabei ist, aber einholen sollte ich mich doch nicht lassen. Der Gedanke gab wieder etwas Schub. Auf dem Osterfelder Kopf kam ich knapp vor Sonnenaufgang am VP 9 mit gutem Vorsprung auf die cutoff-Zeit an.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits über 82 km und 4400 Hm in den Beinen. Am VP 9 standen immer noch 90 min plus auf meiner Habenseite. So langsam glaubte ich zu diesem Zeitpunkt, dass ein Finish im Bereich des Möglichen ist. Die Runde oben mit den letzten 400 Hm und einem rutschigen Abstieg kosteten nochmal meine ganze Kraft und viel Zeit.

Wieder am VP 10 musste ich nur noch den Jägersteig runter, der es nochmal in sich hatte.

Ich kam recht gut voran, war begeistert vom trockenen trittsicheren Untergrund. Finish ungefährdet. Auf dem letzten seifig glattem Stück rutschte ich seitlich weg und rollte zwei ganze Umdrehungen den Weg runter. Das machte ich das letzte Mal als Kind auf einer Blumenwiese. Nix passiert.

Ich kam nur noch langsam voran und besonders das letzte seifig glatte steile Stück 2, 5 km vor dem Ziel war heftig.

Aber irgendwann war es geschafft.  Nur noch 2 km durch den Ort.

Die letzten Meter bis zum Ziel lief ich recht abgekämpft und wurde von den Freunden empfangen. Ich hatte es geschafft. 24:56. 105 km und 5600 HM standen auf der Uhr. Mein 5. Finish.

Die letzten Meter bis zum Ziel lief ich heulend vor Glück und Freude und wurde von den Freunden empfangen. Ich hatte es geschafft. 25:42. 105 km und 5600 HM standen auf der Uhr. Ein niemals mehr geglaubtes Finish.
Fazit: 100 km sind lang und es kann viel passieren. Ein harter Kampf mit einem Happy End.

Glückwunsch an Helmut Sirtl der mit fast 68 Jahren zum 5. Mal den ZUT gefinisht hat. Ein großes Dankeschön geht auch an meine Freunde Hannelore Huhn, Jürgen Huhn, Helmuts Frau Emilia und meiner Freundin Petra.

Glückwunsch an Kerstin Wurst, die nach einer beeindruckenden Aufholjagd über 90 km zum 1. Mal den ZUT gefinisht hat. Ein großes Dankeschön geht auch an meine Frau Emilia und meine Freunde Hannelore, Jürgen und Petra.