Nachts in Irland

Tine, Wolfgang und ich im studierfähigen Alter. In den Semesterferien auf Radtour in Irland.

Weitab in der Provinz erreichten wir abends ein Dorf, irgendwo im nirgendwo. Es fehlte noch eine ruhige Wiese für unsere Zelte, wir wollten nicht weiter. Ein oder zwei Kilometer hinter dem Dorf, öffneten wir in der Dämmerung das Gatter zu einer großen Wiese, die, von Bäumen gesäumt,  weit über einen Hügel reichte. Ganz hinten schlugen wir die Zelte auf, hier kümmerte sich sicher keiner um uns. Dann gingen wir ins Dorf in die Kneipe um für die nötige Bettschwere zu sorgen, was soll man hier sonst schon machen. Um 11 war Schluss mit dem Ausschank, also machten wir uns auf den Weg zu unserer Wiese. Vollmond, laue Nacht, einsame Gegend, schmale Landstrasse, dann unser Gatter. Wir öffneten den Riegel, verschlossen wieder gut hinter uns und gingen links an Büschen und Bäumen im fahlen Mondlicht über die Wiese.

Noch mal in die Büsche. Tine und Wolfgang gingen langsam weiter und ich lief auf die andere Seite über die Wiese zu den Büschen. Die Büsche waren erst Umrisse, je näher ich kam umso deutlicher wurden sie, die Umrisse ergaben Konturen, in denen man mit etwas Fantasie Figuren, Tiere, einen Menschen sehen konnte. Man hat ja schließlich Fantasie, bensonders nachts im Dunkeln. Alles in Grautönen, zur Aktivierung der Farbrezeptoren war das Mondlicht zu schwach. Könnte ein Mensch sein. Sieht fast so aus. Ein Mensch! Da stand tatsächlich jemand. Oje, bin ich erschrocken. Ein Mann mit Mantel stand da bewegungslos mit einer Plastiktüte in der linken Hand. Umkehren, wegrennen bis zu Tine und Wolfgang war eins. „Hört mal, da steht einer.“ „Du spinnst.“ „Nein, da steht einer.“ „Also…..“, es folgte eine Abhandlung über Licht und Schatten und dass da einfach keiner sein kann. „Doch.“ Schliesslich gingen wir zusammen zurück zur Stelle. Da war keiner mehr, aber die Spuren waren eindeutig zu sehen.

Und nun? Wir gingen schlafen. Was denn sonst? Aber es wurde eine unruhige Nacht.  Vor allem, weil Wolfgang ein beissendes Insekt im Schafsack hatte. Er riss fast sein Zelt ein, als er sich aus dem Schafsack befreite. Na, jedenfalls war kein Killer unterwegs. Da hatte wahrscheinlich einer noch mehr Angst bekommen, als wir.