05 – 06 Nov. 16 KILL 50

Wir könnten noch den KILL 50 laufen, hast du Lust?  Wann ist der? Anfang November. Ok. Gut dann frage ich mal bei Michael und Susanne nach, der KILL  ist ein Einladungslauf.

Kerstin, meine Laufpartnerin hat das geregelt. Sie navigiert dann beim Lauf. Wir fahren an, laufen und fahren wieder heim. Ist ja noch lange hin, es standen ja erst mal andere geplante Läufe an.

Aber der KILL 50 rückte immer näher, im Kalender und im Bewusstsein. Irgendwann habe ich realisiert, das sind keine 50 km, sondern 50 Meilen (= 80 km). Dass es kein idyllischer Landschaftslauf wird, wusste ich schon, das hat ja gerade den Reiz. Im November kann‘s ja schon unangenehm kalt sein und wenn der Start um 17.00 Uhr ist, dann geht das unausweichlich die ganze Nacht durch und zwar über trails durch Gelände mit 2000 Höhenmetern, das Ganze nicht im Stück, sondern immer wieder und immer wieder und immer wieder rauf und runter.

Eine Woche vorher musste Kerstin den Lauf absagen. Fußprobleme. Echt schade für sie. Na gut, dann laufe ich den alleine. Kein Navi, dann eben nach Karte, aber insgeheim wusste ich, das kann nix werden. Aber lass mer‘s drauf ankommen.
Die Anfahrt am Samstag Morgen zog sich, 500 km. Dann kurz vor Hildesheim von der Autobahn runter und in richtig schöne deutsche Mittelgebirgs-Pampa. Nach Dörfern mit seltsamen Namen gings links rein in den Wald zum Kulturherberge Wernershöhe, alternativ, so wie der Lauf. Es sei aber schon vorweggenommen, herzlicher Empfang, nette Leute, gute Verpflegung, Wohlfühlatmosphäre. Wohlfühlatmosphäre !!…jetzt sträuben sich sicher Michaels Nackenhaare. Ja doch, im Kulturhaus drinnen.

20161105_160503_resized-2Um 17. Uhr beim Start war‘s damit vorbei. Start bei einsetzendem Regen. Der hörte dann zwar auf, aber es war immer recht feucht, dazu kalt, zum Glück recht windstill, so dass nur auf freien Flächen ein kalter Wind blies.

Ich war nicht der einige Oldtimer. Lothar Preissler und Massud Fayzee laufen in der M70! Schon aus einer gewissen Lebenserfahrung heraus schaut man sich da um, dass man nicht alleine laufen muss, und so fanden wir zusammen, Lothar, Massud, Peter und Stephan, die beiden letzteren etwas jünger. Drei GPS-Navis in der Gruppe, nun konnte ich laufen. Lothar nahm Stöcke mit, 5 Minuten vor dem Start holte ich mir meine Stöcke aus dem Auto. Eine weise Entscheidung, denn die Strecke ging meist über SingleTrails rauf und runter über Stock und Stein. In der Regel gings auf einem Forstweg in den Wald rein, der wurde dann immer schmäler, immer matschiger, immer überwucherter, dann gabs ihn fast nicht mehr, bis man wieder auf einen überwucherten, dann matschigen, wieder breiteren Forstweg runter kam….und dann ging‘s wieder von vorne los. Zur Abwechslung waren auch mal gerade Strecken über windige Feldwege zu laufen, aber gefühlte 90% verbrachten wir im Wald im Matsch, den Blick begrenzt auf den Lichtkegel der Stirnlampen. Einmal sagte Peter, die Lichter da unten sind Hildesheim. Aha, Hildesheim bei Nacht von oben. Aber sonst gab‘s im Lichtkegel nur stundenlang Steine, Herbstblätter, Äste, nasses Unterholz und ab und zu einen Pilz zu sehen. Den Kopf musste man aber auch heben um Michaels 10Cent-große Markierungen zu sehen, die er an Bäume getackert hatte. Die waren aber reflektierend und haben sehr geholfen, auch wenn sie manchmal spärlich, dann wieder wie aus dem Füllhorn verteilt waren. Aber 5000 Pünktchen am 5000 Bäume zu tackern verdient Anerkennung. Allein schon von der Ausdauer her.

Nach 30 km erreichten wir den ersten und einzigen Verpflegungsstand. Susanne begutachtete hier schon mal die Ankömmlinge, wer das überhaupt noch schaffen kann, weitere 50 km. Lothar stieg aus, es war nicht sein Tag (seine Nacht) und aufkommende Kreislaufprobleme nahm er ernst. Er muss sich mit bisher 175 Ultratrails auch nichts mehr beweisen… alle Gute Lothar.

Bei km 40 waren wir noch zu dritt. Peter legte ein gutes Tempo vor, Massud und ich hielten mit. Diese km waren verdammt hart, ich fahre ja nicht so weit um nach 50 km schon wieder heim zu fahren. Oft lief ich an der Grenze zum Wegrutschen, alles recht kräftezehrend. So kamen wir gerade noch innerhalb der Cutoffzeit am Kulturhaus an, die erste Runde mit 50 km war gelaufen. Peter stieg wegen Rückenproblemen aus. Es war schon verlockend nach …Start um 5 Uhr, jetzt 1 Uhr nachts,…. nach 8 Stunden im warmen Heim sitzen zu bleiben, bei nicht gerade einladendem Wetter draußen, 2 oder 3 Grad und nass und dunkel.

Massud und ich waren uns aber einig, wir ziehen das durch. Beim Loslaufen kamen uns schon gute Läufer von der zweiten Runde entgegen, aber wir machen nun unser Ding, wir haben 6 Stunden Zeit für 30 km, da müssen wir uns auch nicht unter Druck setzen. Oft gingen wir, haben uns dabei gut unterhalten. Abwärts liefen wir, aber aufwärts nicht, es ging ja wieder durch Gebüsch und Gelände mit recht steilen unwegsamen Anstiegen. Nach dem Ort mit dem wohlklingenden Namen Sack, etwa 5 km vor dem Ziel, wurde nochmal die mentale Einstellung gefordert. Ein ewiger kahler Buckel im kalten Wind. Jetzt wurde es langsam hell. Ich stellte mir wieder mal die Frage, was habe ich hier eigentlich zu suchen, habe aber  die richtige Antwort: weil ich es kann und weil ich es gerne mache und weil es einfach ein tolles Gefühl ist, was zu erleben, das man nie erwartet hätte, schon mal gleich nicht mit 67. Das Leben ist und bleibt spannend.

Dann kam der letzte km. Ein amerikanisches Pärchen, er in kurzen!! Hosen, sie in adretten Leggins, hatte uns gerade überholt. Ich war 50 m vor Massud, kam an die vermeintlich letzte Waldwegkreuzung und lief hinter den Amerikanern her. Nach 200 m merkte ich, Massud kommt nicht. Ich laufe zurück, Massud ist weg. Helmut allein im Wald. Ich laufe zackig hinter den Amerikanern her, nur um dann festzustellen, die laufen nach Karte, wissen nicht mal wo wir jetzt sind, jedenfalls falsch, und tun überhaupt, als hätten sie jede Menge Zeit. Wie die beiden bis hierher kamen wird mir ein ewiges Rätsel bleiben. Unfreundlich waren sie nicht, aber auch nicht freundlich und schon gar nicht gesprächig. Wir haben dann das Kulturhaus etwa 4 km umrundet,  liefen über Wiesen, kletterten über Maschendrahtzaun und kämpften uns durch Dornenhecken… wir müssten auf der Karte hier sein, dann müssten wir jetzt da lang über den Zaun und über die Wiese dahinten…grrrrrr….., na ja, dann erkannte ich die Umgebung und lief den Trialern (schwäbisch : Antriebslose Person, die nicht weiß was sie will, verdeutscht Trantüte) davon. Massud ist bestimmt schon geduscht. Denkste. Massud ist nicht da. Ja wo ist der denn geblieben? Nach 15 min kam er. Er hatte das richtig eingeschätzt, dass ich hinter den Amerikanern her bin. Sein Navi hat ihn aber anders dirigiert. Nach 4 km laufen wurde er stutzig. Kann nicht sein, und hier war ich schon mal. Das Navi hatte ihn an der ersten und letzten gemeinsamen Kreuzung der 2. Runde wieder auf den trail geschickt.

15 h 14 min, aber das ist nicht so wichtig.  War klasse.

kill-2016Nach der Siegerehrung fuhr ich gleich los. Wie erwartet wurde ich nach 1 Stunde furchtbar müde, die Anspannung legte sich, bin wie schon öfters nach harten Nachläufen auf den nächsten Rastplatz raus und schlief 1 Stunde tief und selig. Dann ging‘s fit weiter.

Fazit: Der letzte Hammer das Jahres. Hat sich gelohnt. Wer den KILL 50 laufen kann, kann alles laufen.