Modenschau mal anders

Als junger Vater musste ich mir oft was einfallen lassen, wie ich mit meinem kleinen Sohn die Zeit außer Haus verbringen könnte. So hatte meine Frau Emili auch mal Zeit für sich. Wilhelma, Tiergehege, Spielplatz, da kann es auch mal was anderes sein. Vielleicht wars auch die Idee meines Freundes Fritz der mit seiner kleinen Jenny an Sonntagen oft dabei war, auf jeden Fall stand ein Besuch beim Tag der offenen Tür in den Kasernen der französischen „Besatzer“ an. Ich war ja im amerikanischen Sektor in Oberfranken aufgewachsen, hatte keine besonderen Erfahrungen mit amerikanischen GIs gemacht, nun in Schwabenland waren es halt die Franzosen. Auch nicht anders. Montags früh zogen junge Männer mit dicken Taschen vom Bahnhof kommend mir entgegen zur Kaserne. Ich auf dem Weg zur Schule, Sonst fielen sie kaum auf, hatten ihre Spielwiese in Richtung Ohmenhausen, ein großzügiges, eingezäuntes Areal für Manöver, auf dem wir heute spazieren gehen und uns freuen, so nahe bei der Stadt ein beinahe naturbelassenes Biotop zu haben.

Also auf zum Tag der offenen Tür. Kontrollen am Eingang gab‘s nicht, alles Friede, Freude, Eierkuchen. An Ständen gab‘s Croissants, an anderen belegte Baguette, wieder an anderen Weine verschiedener französischer Regionen und Käse bis zum Abwinken. Die Zeit rückte vorwärts, langsam sammelten sich alle rund um den quadratischen Exerzierplatz, eingerahmt von Kasernen, zwei Stockwerke, glatte Fassaden, Fenster, nichts Besonderes. Die Sonne schien und alle warteten. Lautsprecher hatte was in Französisch angekündigt, nun wurde die Durchsagen wohl präziser, alle klatschten und dann trat erwartungsvolle Stille ein……Stille. Dann konnte man ein langsames anschwellendes Brummen vernehmen und dann bog er zwischen zwei Kasernengebäuden auf den freien Platz ein. Ein XLC- Panzer, Ziemlich groß und massig, in Tarnfarbe, aber so gar nicht träge. Halt so ein richtiger Panzer der alles niederwalzen kann. Begleitet von technischen Angaben per Lautsprecher drehte er sich nun im Kreis, mal linksherum, mal rechtsherum, hob sein Rohr gen Himmel, gab Gas. Offiziersfrauen stöhnten, Feldwebel bekamen glänzende Augen, das laienhafte Publikum applaudierte. Noch eine letzte kecke Wendung, dann kurvte er davon. Spannung lag in der Luft,  Es folgte ein schlanker, wendiger Panzer, der konnte noch viel schöner scharwenzeln. Dann folgten Geschütze, wieder Panzer, und so ging es weiter, ach wie schön. Eine Panzermodenschau, vor dankbarem Publikum. So was hatte ich noch nie erlebt.

Mein Söhnchen Stefan hat zum Glück keine bleibenden Schäden abbekommen. Anstelle zum Militär ging er zum Zivildienst.