Goretex-Transalpinrun 4. bis 10. September 2016

Unter Ultraläufern gilt dieser Lauf als einer der härtesten Trailläufe überhaupt. Etwa 260 km in 7 Etappen von Garmisch-Partenkirchen über Lermoos, Imst, Mandarfen, St. Leonhard in Passeier, Sarnthein bis Brixen mit rund 15000 Höhenmetern.

Dieses Jahr wurde eine völlig neue Route gelaufen, härter als bisher, aber so genau wussten wir das noch nicht, als wir uns im Dezember angemeldet hatten.

Kerstin Wurst und ich sind läuferisch etwa gleich stark, auch wenn wir altermäßig rund zwanzig Jahre auseinander liegen. Mit 67 Jahren liegt so ein Lauf für mich eigentlich außer Reichweite, aber ich bin ein erfahrener Läufer und Kerstin hatte übers Jahr ein Trainingsprogramm erstellt, nach dem wir durchaus mit Chancen in diesen Trailrun gehen konnten.

 

Als erstes danke ich meiner Frau Emili, denn ohne ihr Vertrauen und Einverständnis wäre der Lauf schwer zustande gekommen. Dialog Huhn, Riederich, sponserte uns mit Trikots, der Verlag Europa-Lehrmittel finanziell, besonders stolz bin ich auf meinen Freund Fritz Bauer, der still, aber nicht unbemerkt, einen Betrag auf mein Konto überwies. All diesen, auch den Freundinnen und Freunden, die uns während des Laufes anspornten, sei gedankt.

Plan B, der Veranstalter, ist mir seit langem als zuverlässiger Organisator solcher Läufe bekannt. Viermal lief ich schon die 100 km um die Zugspitze und alles war bestens organisiert. Doch dieses Mal sollte alles ein bisschen anders kommen. Die Cutoff-Zeiten, nach einer Strecke-Höhe- Formel eines unbekannten Amerikaners festgelegt, berücksichtigten nicht den Zustand der Trails und waren oft so unrealistisch, dass sie während des Laufes für alle korrigiert wurden (oder auch nicht). So stand das hintere Läuferfeld permanent unter Zeitdruck und ich gehöre nun mal nicht mehr zur Zielgruppe des Veranstalters. Darum gibts auch kaum Fotos.

In den Zielorten konnte man sich oft nicht erholen, sondern musste gestresst Organisationsfehler ausbaden, aber im allgemeinen war für hippe Stimmung gesorgt worden, so dass ich mir des Gedankens nicht erwehren kann, dass dem Trend: immer länger, immer höher, immer extremer, immer riskanter…nachgegeben wurde, eher Event als Sport.

Kerstin hatte Zimmer jeweils möglichst in Startnähe gebucht, so dass wir uns nach jeder Etappe erholen konnten. Auch waren im Voraus in den Zielorten Massagen gebucht .

Auf alles vorbereitet reisten wir an.

Jetzt aber der Reihe nach:

 

Garmisch-Partenkirchen bis Lermoos  36,5 km, 2088 Hm20160904_092040

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei Sonnenschein fiel um 10 Uhr der Startschuss. Bereits nach einem Kilometer ging es steil und stetig hoch bis zum Kreuzeck. Schnelles Marschieren in der Schlange war angesagt, aber wir waren ja noch frisch. Über den Jägersteig wieder runter, zum Eibsee und weiter nach Lermoos. Mir ging ein Stock entzwei, ich ersetzte ihn durch einen Ast aus dem Wald, sonst wäre ich auf mancher Passage in Schwierigkeiten geraten. Schnelles Rennen war nur ab und zu möglich. Eigentlich eine schöne Etappe, das dicke Ende kam im Ziel. Pasta-Party in Ehrwald, 4 km entfernt, Pflicht. Wie hinkommen? Shuttlebus weg, Regen. Massage? Damit hat Plan B nichts zu tun. Unser Gastwirt fuhr uns in seinem Auto nach Ehrwald. Massage um 9.40 Uhr. Dann im Gasthof noch alles für den nächsten Tag vorbereiten, denn immer mussten die Taschen 1,5 Stunden vor dem Start zur Abholung bereitstehen.

 

Lermoos bis Imst  33,8 km, 2023 Hm

Start im Regen morgens um 8 Uhr.. Es soll den ganzen Tag regnen. Wegen Steinschlaggefahr wurde die Strecke umgeleitet. Nix dagegen, die Strecke ist nicht einfach, wir wissen das von unserer Vorbereitung, so dass es ganz gelegen kommt, wenn die Strecke etwas kürzer ist. 1 km Anlauf über den Ort und Wiese, dann wieder über Stein-Wurzel-Trails stetiger Anstieg zur Grubighütte. Das Wetter wurde wider Erwarten immer besser. Tolle Strecke am Wasserfall vorbei Richtung Fernpass. Vorher rechts ab und dort, wo wir bei unserem Testlauf abgebrochen hatte, gings doch irgendwie in den Wald und kaum laufbar runter zur Cutoff-Stelle. Noch 2 Minuten. Geschafft. Später wurde die Cutoff-Zeit verlängert. Seltsame Zeitvorgaben, denn in Imst kamen wir über 1 Stunde vor der Zeit an. Aber zuerst ging es noch mal endlos den Berg hoch, dann aber mit leichtem Gefälle gut laufbar nach Imst. Ebenfalls eine schöne Strecke.

In Imst sind wir nicht mehr zur Pastaparty und  auch nicht zum Briefing gegangen, unsere Erholung war uns wichtiger.

 

Imst bis Mandarfen  47,9 km, 3037 Hm

Früh um 7 Uhr gings los Richtung Pitztal. Die ersten 20 km waren gut laufbar, dann gings bei Graslehn steil im Wald hoch und zur Söllbergalm. 20160817_125249

Von dort über Stein-Wurzel-Wege zur Mauchelealm und über den Pitztaler Almenweg noch mal 8 km weiter bis zur Tiefentaler Alpe mit anschließendem steilen Abstieg. Wieder ging ein Stock zu Bruch. Wir kannten vom Testlauf den Zustand der Strecke. Sicher gut zu wandern, wenn man Fuß vor Fuß setzt, auch zu rennen, wenn man noch richtig fit ist, aber mit 20 km in den Beinen…, das setzte auch mental zu. Letztendlich wurde die Cutoffzeit aufgehoben, aus 49 km wurden 53 km und Höhenmeter waren es auch mehr.

Das Chaos im Ziel war zu erwarten. 8 Uhr, nichts zu essen, Pizzaparty nur mit Seilbahn zu erreichen, Massagetermin kaum zu halten. Wir bestellten im Lokal eine Pizza auf 1,5 Stunden, gingen verschwitzt zur Massage und als wir ins Lokal zurück kamen war unsere Pizza fertig. Wir bekamen aber kaum was runter. Zum Hotel fuhr uns ein netter Einheimischer in seinem Auto. Es war schon Nacht.

 

Mandarfen bis Sölden  25,7 km, 1887 Hm

Start 9 Uhr, herrliches Wetter, herrliche Landschaft, aber eine schwere Strecke. Es ging erst mal 700 Hm direkt und steinig hoch zum Riffelsee, zur Erholung um diesen herum, dann über Trails wieder runter und 1 bis 2 km eklig matschig bis Mittelberg. Hier hätte die Cutoffstelle bereits unser Aus bedeuten können. Wir kamen gerade so durch. Kerstin war mit dem Fuß so angeschlagen, dass sie sagte: wenn du willst, lauf weiter, die nächste Cutoff-Stelle werden wir so oder so nicht schaffen. Klare Aussage, ich lief alleine weiter. Dann erfuhr Kerstin, dass die Cutoff-Zeit verlängert wird, aber ich war weg, über den Jägersteig auf dem Weg zur Braunschweiger Hütte.

20160816_101720Da hörte ich weit hinter mir, Helmut warte. Kerstin hatte einen Läufer gebeten, mich zu informieren. Ich wartete und wir waren wieder ein Team, kämpften uns über die Braunschweiger Hütte, über den höchsten Punkt mit 2982 m das Rettenbachjoch , den Gletscher bis nach Sölden ins Ziel.

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Unsere Unterkunft lag nahe beim Start.  Nach der Massage gingen wir in ein Lokal, wir brauchten unsere Ruhe

 

 

 

Sölden bis St. Leonhard in Passeier  33,3 km, 1453 Hm

Start 8 Uhr. Eine vergleichsweise harmlose Strecke über das Timmelsjoch , die uns letztendlich zwar forderte, aber nicht bis ans Limit brachte. Den Lauf durch die Passeierschlucht konnten wir als Lauferlebnis endlich mal genießen. Das Wetter wurde immer schöner.

Unserer Unterkunft lag etwas außerhalb, etwas umständlich, aber mit netten Leuten (Gerd und Bettina) verbrachten wir einen netten Abend.

St. Leonhard bis Sarnthein  33,6 km, 2440 Hm

Kaum aus dem Ort raus, gings stundenlang den Berg hoch. Sonst konnten wir vorher immer Zeit reinlaufen, nun erwischte uns die Cutoff-Zeit an der zweiten Verpflegungsstelle. Mit 2 min 2 sec Verspätung liefen wir über die Matte und waren somit aus der Wertung. Weiterlaufen war zu riskant, es folgte ein gefährlicher Abschnitt. So brachte uns der Shuttle nach Sarnthein.

War nicht so einfach, das zu verkraften, aber wir beschlossen, die letzte Etappe zu laufen, um die Finishermedaille zu bekommen.

 

Sarnthein bis Brixen  36,4 km, 1934 Hm

Wieder eine schöne Etappe, gut zu laufen, moderater Anstieg, aber endlose Längen oben am Berg lang. So hatte man Zeit, die 3 Zinnen der Dolomiten zu bewundern. Dann gings noch mal lange und scheußlich den Berg runter bis Brixen. Ein komisches Gefühl, im Ziel einzulaufen. Einerseits alle Etappen mit Höhen und Tiefen gelaufen, andererseits dann doch nicht so ganz gefinished.

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Am nächsten Tag wurden wir mit dem Bus nach Garmisch Partenkirchen gebracht und fuhren nach Hause. Dazwischen besuchten wir noch die längste Fußgängerhängebrücke bei Reutte. Um 6 trafen wir in Reutlingen ein.

Fazit:

Zur Organisation habe ich bereits was geschrieben.

Kerstin und ich waren/sind ein gutes Team. Jeder hat so seine Eigenarten, aber wir kamen immer wieder auf einen gemeinsamen Nenner. Ich konnte mich immer auf sie verlassen (Sie auf mich auch? Gesagt hat sie’s nie. Es ist nicht ihre Art, auch mal zu loben, aber ich mag sie trotzdem). Gestritten haben wir nie und gekämpft haben wir gemeinsam.

Unsere genauen Laufzeiten werden sicher von Kerstin aufgearbeitet. Im Nachhinein sind mir diese nicht wichtig. Wir sind alle Etappen innerhalb der Zeitvorgabe gelaufen, außer der Fehlzeit auf Etappe 6, das zählt.

Nicht alle kamen gesund ins Ziel. Die Gesundheit zu opfern, da mache ich in meinem Alter nicht mehr mit. Ich habe bemerkt, dass ich vom Kopf her nie einbreche. Ich kann immer weiter laufen und würde wohl irgendwann einfach umfallen. Aber so weit kam es nie.

Immerhin konnte ich 4 Tage später zuhause wieder 16 km mit 500 HM auf die Alb laufen, ganz ohne Druck und Stress, auch mal stehenbleiben und mich umgucken…eigentlich eher das, was ich gerne mache. Aber der TAR war schon ein außergewöhnliches Erlebnis mit Höhen und Tiefen und Erfahrungen, die man mit 67 Jahren üblicherweise nicht mehr macht.

Liebe Kerstin. Ohne Dich hätte ich nicht mal im Traum daran gedacht, den TAR zu laufen. Danke.