Gondo Doppelmarathon 06. und 07. August 16

2000 Höhenmeter auf Marathondistanz in hochalpinem Gelände fangen irgendwann an, schwer zu fallen. Diese Erfahrung hatte ich letztes Wochenende gleich zweimal, beim Doppelmarathon in Gondo. Gondo liegt im Wallis/Schweiz auf der südlichen Seite des Simplonpasses. Auf der nördlichen Seite liegt Brig. Am Samstag führte der erste Marathon von Gondo nach Brig, der zweite, am Sonntag, zurück nach Gondo, großteils auf anderer Strecke.

Der Lauf erinnert an die Erdrutschkatastrophe im Oktober 2000 in Gondo.

Kerstin und ich reisten mit dem Auto am Donnerstag an. Der Weg ist das Ziel, auch bei so einer Anfahrt, und so ließen wir uns auf dem Furkapass vom Inneren und Äußeren des Rhonegletschers beeindrucken.

IMG_393120160805_134719

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir hatten eine preiswerte Unterkunft mit toller Aussicht aus dem Toilettenfenster. Die Nacht war etwas laut, kein Wunder bei so einem schmalen Tal.

20160805_170221

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Starterfeld war überschaubar, alles lief sehr familiär ab, bestens organisiert von Brigitte Wolf.

Am Samstag früh um 8.00 Uhr fiel der Startschuss. Es ging im Tal mal links oder rechts der Straße zum Simplonpass hoch über trails des historischen Stockalperwegs, aber auch durch lange Gänge einer Zivilschutzanlage.

P1020732P1020768

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Langsam kamen wir über die Baumgrenze, der Simplonpass war nahe, aber der trail führte rechts weiter ins hochalpine Gelände.  Jetzt fing es an, schwer zu fallen bis wir über den Bistinenpass (2417 m ü. M.) waren. Dann ging es zwar ewig lang nur noch runter, aber wir hatten doch ganz schön Kraft verbraucht. Ein highlight war die Durchquerung der Saltina, einem Wildbach, kurz vor dem Ziel in Ried-Brig.

P1020737

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Was heißt, kurz vor dem Ziel. Es ging nochmal eklig steil aus der Schlucht raus bevor wir in die Ziellinie nach 8 Stunden und 22 Sekunden überquerten.

Übernachtet wurde im Zivilschutzbunker der Gemeinde. War schon etwas gewöhnungsbedürftig, diese Nacht schlief ich aber trotzdem recht gut.

P1020738

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Morgens um 7.30 Uhr ging es auf anderer Strecke wieder über den Simplonpass zurück nach Gondo. Jemand erwähnte beim Hochlaufen zum Simplonpass, dieser Weg wurde zu Napoleons Zeiten angelegt. Im Kontrast sahen wir immer wieder die bestens ausgebaute Passstraße für den Straßenverkehr von heute. Wieder ging es über durchgängig überTrails, keine besonderen Vorkommnisse.

P1020784

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

P1020802

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Na ja, im Vergleich zum Vortag noch etwas härter, besonders der knackige Anstieg aufs Furggo, hier fiel es mir zum zweiten Mal schwer. Dann ging‘s nur noch 6 km runter. Achtung: wenn Schweizer sagen, jetzt geht’s nur noch runter, beschreiben sie den Durchschnitt über die gesamte Strecke. In der Regel geht’s dann rauf und runter, aber im Endeffekt etwas mehr runter. Enttäuschend war unser Zieleinlauf nach 9 Stunden und 22 Minuten, innerhalb der Finisher-Zeit, der gerade in die Siegerehrung fiel. Keiner beachtete uns, alle drehten uns den Rücken zu. Darum behalte ich lieber den Empfang des Verpflegungsteams auf dem Furggo in Erinnerung. So eine Herzlichkeit habe ich bisher nicht erlebt, danke diesem Team.

P1020796P1020795

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Duschen – essen – heimfahren. 30 min – 45 min – 6 Stunden. Um 1 Uhr nachts lag ich endlich wieder zuhause im Bett.