Sein oder nicht sein

Manche Erlebnisse vergisst man nie, auch wenn diese nicht so bedeutend, prägend, wichtig waren.

Während meines Studiums lernte ich mit einem Freund bis in die Abendstunden. Zur Belohnung wollte ich mir Civapcici mit Djuvecreis gönnen, in einem guten Lokal, das ich mir aber nur selten leisten konnte. Geräumig, gepflegt, sauber mit zuvorkommendem Personal und, nicht zuletzt, guter Küche.

Das Lokal war gut besucht, ein Tisch noch frei. Ich saß gerade mal zwei oder drei Minuten als sich zwei junge Männer zu mir setzten, ich hatte sie gar nicht kommen sehen, war in die Speisekarte vertieft. Auch sie hatten lange Haare, waren leger gekleidet, wie ich, aber sie waren angetrunken und rochen auch so. Unangenehm, ich rückte etwas ab. Dann trat die Bedienung an den Tisch. Ich wollte meine Bestellung aufgeben und staunte nicht schlecht, als der  Ober uns leise aber unmissverständlich aufforderte, das Lokal zu verlassen. Die beiden Betrunkenen machten wenig Umstände, standen nach einigem Murren auf. „Bitte gehen Sie auch.“ „Aber bitte, ich kenne die beiden nicht und möchte gerne essen.““Ja ja, bitte machen Sie kein Aufhebens. Betrunkene bedienen wir nicht“ „Aber ich kennen die beiden nicht, ich bin auch nicht betrunken.““Ja ja, bitte gehen Sie sofort.“ Na, das kann doch nicht wahr sein. Ich stand auf und ging zum Tresen, um das Missverständnis mit dem Chef des Hauses zu klären. Aber gerade als ich die Lage erklärte, der Chef hörte mir gelassen zu, legte sich ein Arm um mich. „Komm, die wolln uns hier nicht.“ Einer der Angetrunkenen war neben mir, der andere war gegangen. Alles war verloren. Ich wollte klären, erklären, keine Chance. Ich sah es an den Miene des Obers, an der Miene des Chefs. So muss sich ein gesunder Mensch fühlen, eingewiesen als Irrer in die Klinik. Resigniert verließ ich hinter dem Angetrunkenen das Lokal.

Und dann das noch. Vor dem Lokal wartete der Andere und lallte zu seinem Freund: “ Ist das der, wegen dem wir hier rausgeflogen sind.“ Wie schön, dass der Freund mich dann wenigstens in Schutz nahm „Nein, der kann nichts dafür.“ Sonst hätte ich, verkannt und hungrig, am Ende sogar noch Prügel bezogen.