Goldsteig Ultrarace 19

ich bin wieder da.
Ende Juni hatte ich mir den Fußheber-Nerv gequetscht. 7 Wochen war an Laufen nicht zu denken, die 100 Meilen des Goldsteig-Ultratrails konnte ich abschreiben……..
……..aber nein, nicht so ganz. Ich habe alles getan, um meine Kondition zu halten, es könnte ja noch ein Wunder geschehen. Ich wollte von ganzem Herzen mit 70 Jahren noch einen 100 Meilen Lauf finishen (mindestens).
Ende?
Nein!
Letztes Wochenende habe ich den Goldsteig-Ultrarace mit 100 Meilen = 166 km nonstop durch Feld, Wald und Flur, Berg rauf und runter in der Oberpfalz in 40 h gefinished.

So liefs:
Mit dem Nerv geht es 2 Wochen vor dem Goldsteig-Ultratrail endlich aufwärts, ich stolpere nicht mehr sofort. Ich beginne wieder mit dem Laufen, erst auf dem Laufband, dann 18 km flach, 35 km Gelände. Die Zeit wird knapp. Ein 82 km-Lauf in 17 h über die Schwäbische Alb, 10 Tage vor dem Goldsteig-Ultra, war der ultimative Test. Mein linker Fuß hebt sich wieder gleichmäßig, Kondition ok, naja, und ich bin mental belastbar wie immer.

Am Donnerstag fahre ich mit Kerstin Wurst nach Marktredwitz. Unser Vorhaben: Wir laufen die 100 Meilen gemeinsam, anschließend läuft sie weiter die 661 km-Distanz und ich supporte mit dem Auto ihren Lauf die weiteren 5 Tage.
Start Freitag um 12 Uhr. Ziel Gütenland am Eixendorfer See. Wetter gut bis ideal. Nach 15 km habe ich mich eingelaufen und es geht weiter und weiter und weiter. Über die Fischteiche bei Tirschenreuth, das Waldnaabtal. Ich komme nachts an der Stelle vorbei, an der ich letztes Mal beinahe wg einem Fischotter in die Waldnaab gefallen wäre, aber diesmal gibt es keine besonderen Vorkommnisse. Manchmal laufe ich mit, mal ohne Kerstin. Nach 80 km, am ersten VP in Leuchtenberg der Schock. Kerstin muss abbrechen, eine Sehne im Fuss hat sich entzündet, völlig unerwartet.
Ein Tee, ein paar Kekse, weiter geht’s leider alleine. Durchs Pfreimdtal laufe ich bei Tagesbeginn, ein gefährliches Gelände. Eigentlich nicht bemerkenswert, schwierig ist die ganze Strecke. Der sehr hohe Trailanteil mit Steinen und Wurzeln und taunassem Gras erfordert immer volle Konzentration. Nur manchmal erlaubt der Weg, die Gedanken schweifen zu lassen. Aber ich nehme die schöne Landschaft, die netten Dörfer und Gespräche mit gastfreundlichen Bewohnern durchgängig intensiv auf. Vielleicht wegen der guten Durchblutung des Gehirns? Eine Überraschung: Kerstin kommt mir irgendwo im Nirgendwo mit einer schönen kalten Cola entgegen. Echte Fehler passieren mir nicht, aber des nachts komme ich vor Thanstein zweimal in gerodetes Gelände im Wald, der Weg verliert sich und ich brauche Ruhe und alle Sinne, wieder den rechten Weg zu finden. Der GPS-Track ist zuverlässig, aber im Dickicht kann eine Abweichung von 5 m schon ein Problem sein. Die gute Markierung des Goldsteiges hilft. Noch etwa 15 km die es in sich haben. In Thanstein supportet mich Kerstin nochmal. Dann hoch zur Steinernen Wand und die komplette Umrundung des Eixendorfer Sees mit seinen vielen Ausbuchtungen. Nach 41 h erreiche ich das Ziel. Dass ein Teil der Läufer von hier aus noch 5 Tage weiterläuft ist für mich nicht vorstellbar. Respekt. Jetzt schlafe ich geduscht erst mal 2 Stunden wie ein Stein. Kerstin kommt, wir frühstücken und vor der Heimfahrt wandern Kerstin und ich noch mal zur Steinernen Wand auf dem Schwarzwihrberg hoch. Bei meinen zwei Läufen war ich des Nachts oben. Nun will ich endlich am Tage dort oben die Aussicht geniessen.
Fazit: Schade um Kerstins Vorhaben. Für mich ein intensives, erfolgreiches Erlebnis. Ich blieb gesund….und das Leben bleibt spannend.

Für dieses Jahr ist noch ein 24h-Lauf geplant und 1 x betreutes Laufen – der Frankfurt-Marathon. Laufen ohne GPS, immer mit anderen um sich, kein Laufrucksack, keine Versorgungsprobleme, alles bei Tage….wie angenehm wird das sein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.